Michael Rudolf Widmer - Institut Vita Plus - Forum » Trauer und Traurigkeit

Meine Mama stirbt

(4 posts)
  1. pati
    Mitglied

    An Ostern war sie noch zuhause, stand kurz vor ihrere OP: Hirntumor.

    Die OP war sehr schwer und sehr lang, 10 Stunden. Danach hatte sie noch einen Hirninfakt und Blutungen. Man hatte sie in ein kuenstliches Koma gelegt, aber nun, wo sie aufwachen sollte, will sie nicht mehr.
    Sie 'schlaeft' einfach weiter. Die Atmung ist sehr schwer, weil sie sehr verschleimt ist und sie das nicht alles absaugen koennen.

    Man hat uns 3 Moeglichkeiten mitgeteilt, abhaengig davon wie die naechsten Tage laufen:

    - es wird schlechter und sie stirbt an 'Ersticken'. Sie bekommt dann Schmerzmittel und
    wuerde nichts weiter davon mitbekommen
    - sie wirb/bleibt stabil und kommt in eine Intensivreha um das Gehirn zu stimulieren
    und sie langsam aufzuwecken. Vielleicht.
    - sie kommt in ein Hospitz oder nach Hause und stirbt dann irgendwann

    Der Hirntumor war sehr boesartig und wird nachwachsen. Also sterben wird sie auf jeden Fall. Auch wenn sie sich irgendwann durchwurschtelt und aufwacht wird es 'nur' dafuer sein, alles nochmal durchzustehen und dann doch zu sterben. Allerdings glaube ich nicht dass sie nochmal aufwacht. Bzw, sie ist vielleicht soweit wach, aber wir 'sehen' das nicht. Das ist auch der Teil der mich so aengstigt. Dass sie leidet, dass sie merkt, dass nichts mehr richtig funktioniert, dass Angst hat, weil sie keine Luft bekommt.

    Ganz ganz schlimme Gedanken die mich total quaelen. Plus der Gedanke dass sie bald nicht mehr bei uns sein wird.

    Sie ist, war, die Seele der Familie. Hat sich immer schwer gekuemmert. Was mich troestet ist, dass wir immer sehr gut miteinander auskamen, viel miteinander gereist sind, viel unternommen haben. Aber das koennen wir nun nicht mehr.
    Nie wieder.

    Koennte nur noch heulen.

    Heute ist ein Gespraech mit dem Arzt. Da wird er vielleicht vorschlagen sie sterben zu lassen. Keine Ahnung wie ich das ueberstehen soll.
    Moechte gerne stark sein und schaffe es so garnicht.

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  2. Hallo Pati
    Nichts ist so unerträglich wie Ungewissheit und die Gewissheit der Machtlosigkeit.
    Es zeigt unsere Grenzen auf und gleichzeitig den Lebensfluss.
    Wir wissen im Moment nicht, wie es um Deine Mama steht. So wie Du es schilderst, erahnst Du das nahende Loslassen. Abschied für immer von einem geliebten Menschen, ist schwer. Es ist so definitiv und ohne Kompromiss. Du schreibst, Du möchtest gerne stark sein. Dass Du Dich hier äußerst zeugt von Deiner Stärke. Es ist nun wichtig, dass Du auf Deine Gefühle acht gibst. Dass Du über Deine Ängste, Befürchtungen, Deinen Schmerz und Deine Traurigkeit sprichst. Tiefe Trauer ist Ausdruck von Liebe – und gerade deshalb ist es so wichtig, sie auszudrücken. Es ermöglicht, in Gedanken liebevoll in den Arm zu nehmen was, nicht mehr ist, sein kann und nicht mehr sein wird, und gleichzeitig alles was war, liebevoll ins Herz zu schließen. Es ist der Stoff der liebevollen und dankbaren Erinnerung. Sich seinen Gefühlen anzunehmen, auf sie einzugehen bedeutet auf sich einzugehen, und auf sich zu achten. Dies sind wichtige Schritte der Stärkung im Veränderungsprozess und der Annahme der Unausweichlichkeit. Gleichzeitig ermöglichen sie, das was noch ist oder noch möglich ist, zu erkennen und sich entsprechend bewusst darauf einzulassen. Diese Schritte der Verarbeitung helfen auch annehmen zu können, was nicht zu ändern oder zu verhindern ist. Es ermöglicht seine Möglichkeiten, oder eben Nicht-Möglichkeiten anzunehmen. Gefühle der Schuld – bei Entscheidungen die kaum zu fällen sind und gleichzeitig unabdingbar sind, können so angenommen und umgewandelt werden in Akzeptanz der eingeschränkten Möglichkeiten unseres Menschseins.
    Eine aktive und bewusste Trauerverarbeitung ermöglicht, die Lücke, die ein geliebter Mensch bei seinem Gehen im Kreise seiner Hinterbliebenen hinterlässt, durch die Gefühle der Erinnerung liebevoll zu schließen. Auf diese Weise kann sich die «Kette» des Kreises neu schließen. Das «Verbunden sein» wird so lebendig.
    Wir wünschen Dir auf Deinem Weg viel Kraft.

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  3. pati
    Mitglied

    Im Moment sieht es so aus, dass die Atmung sich verbessert hat und sie hat auch schon oefter die Augen offen. Aber sie erkennt uns nicht und sieht sehr veraengstigt aus. Die Arme. Der Arzt hat auch bemerkt, dass es ein Wettlauf mit dem Tumor ist, der ja auf jeden Fall wieder kommt.

    Irgendwie ist das ganze so sinnlos. Wie sie sich quaelt und aengstigt nur um dann doch vom Tumor eingeholt zu werden.

    Mein Papa ist einfach nur froh, dass er sie noch hat. Egal wie.

    Ich bin natuerlich auch froh dass sie noch da ist. Ganz klar. Aber wenn sie sich nicht fuehlt ...... Die arme!!!!

    Ich will ihr heute ihre Lieblingsmusik mitbringen, per Diskman und Kopfhoerer. Sie hatte immer viel Freude an Musik. Das habe ich von ihr geerbt. :-)

    Vielen Dank fuer Ihre Hilfe. Ich kann jeden Zuspruch gebrauchen.

    Liebe Gruesse.
    P

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  4. Liebe Pati,
    ich habe soeben Deinen Beitrag gelesen. Es muß schrecklich für Dich in dieser Situation sein. Einem geliebten Menschen, der eigenen Mutter, in ihrem Leid so nahe sein zu müssen, alles mit zu erleben. Ich bewundere die Kraft die Du aufbringst!

    Ich war auch beim Tod meiner Großmutter, die für mich wie die eigene Mutter war, dabei. Zerissen zwischen Trauer und Hoffnung, wo es eigentlich keine Hoffnung mehr gab. Als sie nach einem langen Leidensweg von mir ging war ich am Boden zerstört, doch auch froh, dass sie nun keine Schmerzen mehr haben musste.

    Wie Du habe auch ich viel Zeit bei ihr verbracht, ihr vorgelesen und mit ihr gesprochen - auch wenn sie mich nicht mehr erkannte. So konnte ich ihr wenigstens noch sagen wie viel sie mir bedeutet und wie sehr ich sie liebe. Für mich war es wichtig, dass ich Abschied nehmen konnte.

    Nun ist meine Großmutter schon seit vielen Jahren Tod, aber noch immer ganz nahe bei mir. Ich habe gelernt, dass Menschen nicht von uns gehen, solange wir sie in unserem Herzen tragen. Ich habe für meine geliebte Grußmutter auch eine Gedenkseite gemacht um an sie zu erinnern. Das hat mir, als ich nach ihrem Tod ganz unten war, sehr geholfen.

    Ich würde mir für Dich ein Wunder wünschen! Der Tumor verschwindet und Deine Mutter ist gesund und fröhlich.

    Ich hoffe, dass Du die nötige Kraft für Dich und Deinen Vater hast, um die kommende Zeit zu meistern.

    Liebe Grüße
    Sandra

    vor 1 Jahr veröffentlicht #

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