Michael Rudolf Widmer - Institut Vita Plus - Forum » Einsamkeit

Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll

(2 posts)
  • Vor 1 Jahr von denise28 gestartet
  • Letzte Antwort von Michael Rudolf Widmer
  1. denise28
    Mitglied

    Hallo ich bin denise,
    ich habe vor fast 6 Monaten meinen geliebten Bruder an Krebs verloren mit 24.Es wurde bei Ihm einfach zu spät entdeckt.Letztes Jahr im Juli hat er sich selbst den Notarzt gerufen und verließ uns schon auf dem weg ins kh.Sie haben wieder zurück geholt und dann ging da gekämpfe los.Er hat Chemos,Bestrahlung bekommen und es ging Ihm zwischen zeitlich auch wieder besser er machte sogar eine Fahrradtour mit meiner Mutter.Dann ging es Ihm im Mai wieder sehr schlecht Sie hatten dann wieder was neues gefunden im Kopf und Hals.Im Juni bekam ich dann einen Anruf von meiner Mutter ich soll sofort nach Hause kommen Rene ging zunehmens schlechter(ich wohne seit 7 Jahren in Hamburg und meine Familie auf der Insel Rügen) ich machte mich sofort auf dem weg.Ich war halb 8 im Kh und um Halb 9 war er tod.Meine Mutter und ich haben Ihn begleitet.Ich komme einfach nicht drüber hinweg.Ich mache mir laufend vorwürfe wieso ich weg gezogen bin wäre ich nicht gegangen hätte ich noch mehr zeit mit Ihm verbracht.Wieso gerade er er hat soviel gekämpft und doch verloren.er hat immer betont er möchte so gerne 50 werden dann hätte er wenigstens was vom leben gehabt.ich denke jeden tag drüber nach hat er mitbekommen das wir da waren hat er mitbekommen das er stibt(hatten ihn mit medikamenten zugepumpt).für mich ist es unbegreiflich ihn nie wieder zusehen.Am schlimmsten ist es auch für meine Mutter sie war ständig bei ihm soll sie sich am besten professionelle hilfe holen.ich weiß nicht ob ich das auch machen soll?

    es ist einfach nicht zubegreifen.vorallem verstehen das andere auch nicht die das selber noch nicht mitgemacht haben man fühlt sich damit irgendwie allein gelassen.

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  2. Liebe Denise
    Das Du Deinen geliebten Bruder an Krebs verloren hast und all das Erlebte ist schwer, sehr schwer und es ist traurig. Deine Trauer und Deine Gefühle sind berechtigt.

    Etwas verpasst haben
    Gedanke wie: «hätte ich gewusst, dann..., hätte ich bloss..., etc.» solche Gefühle sind menschlich und natürlich, sie sind Ausdruck Deiner Liebe.
    Im Leben eines Menschen gibt es zwei grundlegende Momente:
    Das Kommen (Geburt) und das Gehen (Sterben).
    Du durftest beim Gehen Deines Bruders dabei sein,
    ihm in diesem Moment nahe sein - das ist ein Geschenk.

    Bewusstes Sterben
    Schwere Medikamente besonders beim Sterben, sollen das körperliche Leiden lindern. Es gibt dem Sterbenden (bewusst oder unbewusst) die Chance, sich auf das Sterben einlassen zu können. Ob Dein Bruder mitbekommen hat, dass Du und Deine Mutter ihm nahe ward? Ein klares und überzeugtes JA. Mir wurde von Menschen, die Sterbende begleiten, berichtet, dass sogar die nonverbale, mentale Kommunikation (Komma Patient) mit dem Sterbenden, z.B. auf dem "Herzrhythmus-Monitor" ersichtlich ist. Das gleiche kann der Fall sein bei Musik oder Gerüchen.
    Euer an seiner Seite sein, war für Rene eine große Hilfe, Zeichen tiefer Verbundenheit und Liebe. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ihn "loszulassen" ist immer schwer, die Trauergefühle Zeichen unserer Liebe, unseres Vermissen. Die Intensität und Schwere der Trauer hängt von vielen Faktoren ab. Darauf einzugehen, würde diesen Rahmen hier sprengen. Mehr dazu findest Du auf der Homepage unter Trauer.

    Trauerkultur
    In unserer Kultur ist das Wissen um echte und lebendige Trauerverarbeitung leider praktisch verloren gegangen. Unser Leben ist aber ein dauernder Prozess von Loslassen mit entsprechenden Gefühlen. Da aber das Wissen um den lebendigen Umgang und die Verarbeitung solcher Gefühle und Emotionen fehlt, sind oft auch unsere Mitmenschen damit überfordert und können keine wirkliche Hilfe sein. So fühlt sich der Trauernde alleine und unverstanden --> der direkte Weg in die innere, emotionale Einsamkeit.
    Es erstaunt daher nicht, dass so immer mehr Menschen in eine "lähmende Schwere" geraten und ihre Lebensfreude verlieren. Der Markt der Psychopharmaka boomt.

    Professionelle Hilfe erforderlich
    Diese Frage und ähnliche werden mir immer wieder gestellt. Deine Frage ist so wichtig, dass es mich veranlasst hat, auf unserer Homepage, auf der Begrüßungsseite des Forums, in einem eigenen Abschnitt darauf ausführlich einzugehen unter dem Titel:
    Schwere Gefühle, Emotionen - krank?

    Gefühle zulassen
    Denise, Du bist vielen Menschen Schritte "voraus" - Du sprichst bereits über Deine Gefühle, Du spürst, dass "etwas" erforderlich ist. Schreibe über all Deine Gefühle (z.B. bei Trauer/Drücke Deine Gefühle aus) oder führe ein "Trauer-Tagebuch". Wenn Du an Deinen Bruder denkst, und Dich darauf einlässt, wirst Du immer Trauer spüren, denn Du liebst Deinen Bruder. Diese Trauergefühle bei bewusster Erinnerung sind normal. Entscheidend dabei ist, dass Du weißt warum Du traurig bist und woher die Trauer kommt.

    Permanente Trauer/Traurigkeit/Schwere
    Wenn die permanente Trauer und die Schwere Dein Leben einnehmen, (der Verlust, die schweren Gefühle sind dauernd präsent und lassen Dich kaum mehr los) oder Du keine Freude und Lebenslust mehr spürst oder zulassen kannst (darfst), dann brauchst Du kompetente Unterstützung bei der Trauerverarbeitung. Dann ist ein Trauerseminar bei einem erfahrenen Trauerbegleiter angezeigt. Vergewissere Dich, dass Du in diesem Trauerseminar wirklich Methoden und Wege lernst um Deine Trauer und Deine schweren Gefühle zu verarbeiten und zu Deiner Lebensfreude und zu Deiner Lebendigkeit zu finden. Dass Du lernst, wie Du mit Trauergefühlen umgehst, wenn Du Dich z.B. aufgrund eines Ereignisses an Deinen Bruder erinnerst, ihn vermisst und traurig wirst. In einer lebendigen Trauerverarbeitung mit dem Fokus auf der Gefühlsumwandlung, lernst Du, wie Du Dich liebevoll erinnern kannst, Deine Liebe, Deine Gefühle/Trauer bewusst spüren und zuzulassen kannst um anschließend wieder sicher in Dein Leben, in Deine Lebensfreude und in Deine Lebendigkeit zurückzufinden.

    Ich wünsche Dir und Deiner Mutter viel Kraft.
    Bei Fragen sind wir für Dich da.
    Michael

    vor 1 Jahr veröffentlicht #

RSS-Feed für dieses Thema

Antwort

Du musst angemeldet sein, um einen Beitrag zu schreiben.