Michael Rudolf Widmer - Institut Vita Plus - Forum » Einsamkeit

Lebensfrust

(7 posts)

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  1. lotus7
    Mitglied

    im augenblick bricht alles über mir ein.ich bin 44 jahre,habe immernoch nicht meinen platz/mitte gefunden,ich weiss,dass fast alles bisher falsch war in meinem leben.ich wollte schon von jugendan nicht dieses "normal-bürgerliche" leben mit all seinen zwängen und masken,aber das ist schwer zu realisieren.nach vielen jahren hilflosen suchens lernte ich vor 17 jahren meine jetzige frau kennen.nun waren wir zusammen hilflos auf der suche nach einem platz.schon nach kurzer zeit lernte ich dann aber auch die psychischen probleme von ihr kennen,die mich ziemlich umhauten,aber ich habe zu ihr gehalten.wir bekamen eine tolle tochter(jeztz 16).irgendwann regelte sich unser leben äusserlich geradlinig:beruf,hauskauf,...und wie gehts weiter?klar,die alltäglichen abläufe und zwänge,die wir beide nie wollten-unsere innere stimme unterdrücken-erstickten uns in gesellschaftlichen banalitäten,unsere träume und ideale-wo sind sie hin? dies alles rumorte schon seit einigen in mir,wurde immer unzufriedener,schlechtgelaunt.
    nun ist meine frau vor 2 tagen ausgezogen,ich kam von der arbeit "nachhause" und fand ihren abschiedsbrief.
    ich weiss,dass sehr viel schlecht gelaufen ist und kann ihre gründe auch nachvollziehen.ich glaube,dass ich seit langer zeit schon in depressionen festhänge,weil ich um all dies weiss:ein haus,dass wir nicht wirklich wollten;jobs,die wir beide nicht mögen-fazit:ein leben,dass wir nicht leben wollen.meine frau zog nun den schlussstrich,ich sitze alleine hier und weiss nicht mehr weiter,mir zerreisst das herz,fühle mich schon lange zeit leer und ohnmächtig mit allem umzugehen,alles ist geplatzt.

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  2. Hans44
    Mitglied

    Hallo Lotus7
    Ich wollte Dir nur kurz - sagen - ich kenne Deine Situation aus eigener Erfahrung sehr sehr gut.
    Ich muss gleich weg - deshalb werde ich mich morgen nochmals melden, mit mehr Zeit.

    Auf alle Fälle
    Unabhängig der Situation wie sie sich im Moment anfühlt. Betrachte einfach alles was Du schon erreicht hast - Du zählst eine ganze Menge auf. Klar - eben, nicht alles genau so, wie Du es alles wolltest. Dennoch, Du lebst Dein Leben, hast eine 16 jährige Tochter, stehst im Leben, hast ein Dach über dem Kopf.
    Gerade jetzt im Moment, wo sich alles so am zerbröseln anfühlt. Schau gut zu Dir. Gönne Dir irgend etwas was Dich motiviert. Ein Besuch bei einem guten Freund oder Bekannten - sprich Dich aus. Wirklich gut, dass Du Dich hier im Forum gemeldet hast.

    Oder gehe einfach ganz spontan aus, z.B. in ein Konzert, oder z.B. ins Kino. Einfach etwas was Dir gefällt - oder in die Sauna, etc.
    Das jetzt einfach "rumängen" und an Verflossenem rumnagen bringt Dich nicht weiter, höchsten tiefer ins "Loch". Du hast viel erreicht, hast viel erduldet, vieles ermöglicht. Jetzt ist Zeit für Dich.

    In dem Sinne - ein herzlicher Nikolaus-Gruss, bis morgen Abend.

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  3. lotus7
    Mitglied

    lieber hans44,danke für deinen netten worte,sich nicht hängen lassen ist momentan sehr sehr schwer,da ich mich wie blei fühle,aber ich weiss auch dass das nicht auf dauer meine art ist-aber eben nun.
    .leider sind die dinge,die ich "erreicht"habe für mich nicht viel von bedeutung,da familie mir mehr bedeutet als haus und job,ich hätte kein problem allem den fusstritt zu geben,wenn ich wüsste wie/wo ich mich wieder selbst finden, leben und lieben kann,dinge,die hier kaum umzusetzen sind,wenn man nicht genauso abgebrüht und abgestumpft ist wie die welt in der man halt so
    "lebt".
    freue mich morgen von dir zu hören/lesen.
    liebe grüsse

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  4. Lea
    Mitglied

    Hallo
    Ich bin zwar eine Frau, traue mich aber trotzdem dir zu antworten. Ich bin eine Frau die ihren Mann verlassen hat nach mehr als 20 Jahren. Warum? Weil es mir wie dir ging, ich erkannte ich lebe nicht das Leben, was wir ursprünglich gemeinsam sogar erträumten. Es drehte sich auch um „den ganz normalen Wahnsinn“. Ich wollte nie meinen Exmann verletzen, doch ich brauchte meine Kraft für mich selber um den Absprung zu schaffen, raus aus einer eingefahrenen Situation. Klar habe ich vorher versucht etwas zu retten, doch irgendwann erkennt man da gibt es nichts zu retten, höchstens dein eigenes Leben.
    Ich verließ buchstäblich meine Familie, aber nicht weil ich sie einfach in Stich lassen wollte um mich selbst zu verwirklichen. Nein, ich erkannte: wir alle leiden unter dieser festgefahrenen, starren Situation. Ich glaubte, alle könnten nach dem ersten Schock, das Gleiche erkennen. („Lieber ein schnelles Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“) Ich glaubte, es könnte mir gelingen, in einen guten Dialog miteinander für alle einen Neuanfang zu finden. Ich glaubte, ein Gehen in friedlichem Auseinandergehen wäre möglich. Ich schaffte Möglichkeiten durch eine Familientherapeutin diese Lebensveränderung für alle begehbar zu machen, doch ich bin sehr hart aufgekommen. Alle aus der Familie hatten unter der gesamten Unzufriedenheit gelitten. Ständig gab es unschöne Auseinandersetzungen, Disharmonie wechselte mit dem Gefühl für müssen als Familie doch zusammenhalten. So glaubte ich mit meinen eigenen Schritt auch die Anderen Wachrütteln zu können. Ich wurde bitter enttäuscht! Es begann ein Hass gegen mich zu wachsen. Familientherapie kam gar nicht in Frage, für was sollte diese noch gut sein. Nicht meine Kinder begegneten mich mit Hass nur mit Unverständnis gegenüber meiner eigenen Veränderung. Ich war plötzlich eine Andere, nicht mehr das Neutrum bzw. nur Mutter.
    Für sie war mein Gehen, nach ihren eigenen Angaben, besser so, es gab nun keinen Streit mehr. Ihnen fiel es schwer damit umzugehen, dass die Mutter ihr eigenes Leben neu gestalten und neue Werte im Leben bekam. Sie hatten nicht nach solch einer Veränderung geschrien, zumal sie selbst bald die Familien verlassen wollten (altersbedingt mit 15 und 18 Jahren). Mein Exmann hatte sich scheinbar schon lange aufgegeben und sich an die angenehmen, bequemen Dinge gewöhnt und nahm in Kauf nicht mit der Jenigen zu leben die eigentlich seine Traumfrau wäre. Somit entwickelte sich durch mein Gehen ein unglaublicher Hass, eine unglaubliches „Gekränkt sein“, um das sich alles drehte. Obwohl er sehr schnell „partnerschaftlich“ wieder Fuß gefasst hat, ist nun sein einziges Ziel, mich zu vernichten (das nach 3 Jahren Trennung). Seine Energie geht dorthin, mir zu schaden wo es geht. Dies macht mich unendlich traurig, ich wollte ihn niemals so tief verletzen. Doch egal was ich versucht habe um ihm klar zu machen, dass unser Leben für alle nicht mehr leb bar war, zählt für ihn nur, ich habe IHN verlassen – nicht er mich! Er gab einmal zu, durch mein Gehen wäre er aus seiner eigenen Starrheit erwacht. Doch er ist so gekränkt, dass sein einziges Ziel und Wunsch ist, dass es mir schlecht geht.
    Hey Lotus, ich schreibe dir als Frau und habe einfach jetzt mal den Mut an dich zu appellieren, mache nicht den gleichen Fehler wie mein Mann. Dies zerstört nur all das was auch gut gewesen war. Dies zerstört Leben und Lebenszeit, die man miteinander bestritten hat. Du schreibst doch selbst, Du warst in einem Leben, das Du nicht mal so führen wolltest. Es ist für dich eher eine Chance dein Leben ganz neu zu gestalten. Es ist die Chance nochmal durch zu starten, darum hoffe ich so sehr für dich, dass du nicht in diese Energie wie viele Verlassene kommst, die durch den Hass auf den anderen sich dem eigentlichen versperren. Ja, da lehne ich mich weit aus dem Fenster, doch mittlerweile kenne ich soviele Scheidungsgeschichten und die größte Zahl ähnelt sich. Die die verlassen sind die Schuldigen und die Anderen sind die Opfer. Du hast dein Leben wieder ganz für dich und die Möglichkeit es neu zu gestalten und das zu leben, was du schon immer wolltest. Vielleicht hast du auch die Chance mit deinem eigenen Verständnis einen neuen Freund zu gewinnen, den Menschen der so lange an deiner Seite mit dir gekämpft hat. Ihr habt auch eine Tochter, die von euren guten Zeiten zeugt. Sie hat beide Seiten in sich, die von dir und die von deiner Frau. Aus meiner eigenen Erfahrung, wünschen sich die Kinder am Schluss nichts sehnlicher, als dass die Eltern normal miteinander umgehen können. Sonst sind sie selbst wie zerissen.
    Ich schreibe dir dies wirklich nur, weil ich sooft erlebt habe, wie alles sich kehrt und Hass und Wut überhand nehmen und zerstören. Verstehe mich nicht falsch, ich gehe bei dir nicht gleich davon aus, doch vielleicht ist es hilfreich, wenn du auch über dieses mal nachdenkst. Somit könnte deine Energie auf deine ganz eigene Zukunft gelenkt werden. Auf ein neues Aufleben.
    In diesem Sinne wünsche ich dir alles Liebe
    Lea

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  5. lotus7
    Mitglied

    liebe lea
    du darfst gerne eine frau sein- und mir antworten.ich habe kein problem damit.
    leider ist es wirklich oft so,dass hass entsteht,wenn gefühle stark verletzt werden,tut mir leid für dich,dass du solches erfahren musst,evt kommt dein exmann mit seiner inneren gefühlswelt ebensowenig klar wie die meisten von uns.wir werden alle nur auf erfolg getrimmt von kleinkind an,wen interressiert schon ernsthaft das innenleben anderer menschen-man müsste sich ja schliesslich mit bereichen auseinandersetzen,die nur zu gerne unterdrückt werden.woher sonst kommen all die agressionen,frustrierten,leeren und gehetzten gesichter,die uns überall begegnen...-wie spiegel
    aber keine angst,ich habe keinen hass auf meine frau,ich weiss dass sie die offene auseinandersetzung scheut und sie wohl nicht anders konnte als heimlich zu gehen.
    danke für deine lieben wünsche,kann sie gut brauchen für den weg vor mir wo immer er liegt.
    dir wünsche ich einen ein-sicht- igen ex.
    alles liebe

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  6. Hans44
    Mitglied

    Lieber Lotus 7
    Eigentlich kann ich dem was Lea sagt nur beipflichten.
    Du sagst: "alltäglichen abläufe und zwänge,die wir beide nie wollten-unsere innere stimme unterdrücken-erstickten uns in gesellschaftlichen banalitäten,unsere träume und ideale wo sind sie hin? "

    Träume und Ideale?
    So wie Du Dich im Laufe Deines Lebens änderst, so wie sich Umstände, Möglichkeiten, Ausgangslagen, ändern - so verändert es Dein SEIN, Dein Fühlen und Denken mit der Zeit. Und das ist auch gut so. Wolltest Du wirklich nochmals in Deinen Schuhen als Zwanzigjähriger stecken? So wie Du Dich damit automatisch veränderst und "reifer" wurdest, so verändern sich auch Träume und Ideale. Dies Veränderung ein ein natürlicher Prozess und gehört zum Leben zu unserer "Entwicklung" während unserem Sein. Das wäre wie wenn Du traurig wärest, nur weil Du älter wirst. Du kannst dies als Geschenk des Lebens betrachten, dass Du lernen, reifen, Erfahrungen machen darfst, oder im Versuch die Jugend festzuhalten in die Depression versinken. Das Glas ist halb voll oder halb leer - unabhängig wie Du es betrachtest, das Wasser Volumen im Glas ist immer dasselbe.
    Wer mag im Leben schon Veränderung - vorallem solche die "ungebeten" daher kommt? Rein menschlich. Versuche Deine aktuelle Situation auch aus der Frage heraus zu betrachten: "Was kann ich mit dieser Situation für mein weiteres Leben lernen?".

    Du hast eine 16 jährige Tochter. Wie geht es ihr mit der Veränderung eurer Familienstruktur. Wurde sie gefragt? Ich nehme mal an, eher kaum. Wie geht sie damit um? In diesem Alter fühlen sich die "Kinder" schon fast wie Erwachsene - versuchen sich auch schon darin sich möglichst so zu benehmen. Aber eben, es sind erste "Gehversuche". Du als Elternteil hast einfach bereits mehr "Geherfahrung" und auch mehr Lebensveränderungen bereits kennen gelernt. Du bist weiterhin ihr Vater - sei es ihr auch wo immer möglich. Das gibt Ihr und Dir Halt - der euch beiden gut tut. Oft sind Kinder in so Situationen ja wie im Sandwich. Damit umgehen, insbesondere in diesem Alter ist nun wirklich nicht einfach.
    In dem Sinne, habe den Mut zum Leben, habe den Mut Dich der Veränderung, aber auch den darin vorhandenen Chancen zu "stellen".
    Viel Kraft an Dich und an das Gute was war und sich jetzt neu gestaltet zu glauben.

    vor 1 Jahr veröffentlicht #
  7. Ice
    Mitglied

    Hallo lotus,

    In Deiner Schilderung habe ich einiges gelesen was auch ich empfinde. Ich kenne ähnlich Gefühle.
    Etwas ist mir bei aller Unzufriedenheit/Unfreiheit bewusst geworden. Ich schätze Dinge erst so richtig wenn sie nicht mehr vorhanden sind. Von daher halte ich nicht viel davon alles aufs Mal wegzuschmeissen.

    Wünsche Dir die Kraft, dass Du für Dich Deinen Freiräume findest in denen Du Deinen Vorstellungen leben kannst.

    vor 1 Jahr veröffentlicht #

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