Das Leben ist nicht einfach – Trauer gehört halt dazu,
und wenn man Pech hat,
muss man halt damit leben.
Na gut. Gestatte mir Deinen Satz etwas zu ergänzen: «Das Leben ist nicht nur einfach – Trauer gehört gemäß Urgesetz des Lebens auch dazu, und wenn man sie ignoriert, muss man halt mit den Konsequenzen leben.» Diese Aussage kann ich besser annehmen. Das Leben ist nicht einfach. Wenn Du nur kleine, flache Hügelchen erklimmst, erfährst Du nie das unbeschreibliche Gefühl, wenn Du einen richtigen Berg erklommen hast und den Ausblick über all die Gipfel, die Weite, die Wolken genießt. Wie herrlich ein Spaziergang an einem so richtig verregneten Tag sein kann, erkennst Du erst, wenn Du lange Zeit in sengender Hitze, trockener, glühender und staubiger Luft gehen musstest – jeder Atemzug fühlt sich an wie im Backofen und der Kopf glüht und die Augen brennen vom eigenen Schweiß.
Keine Angst – ich bin kein Unmensch und genieße auch das süße «nichts tun». Nur wo bleibt die Herausforderung, an was willst Du wachsen? Ein bedeutender Philosoph unserer Zeit, Tom Johanson, hat dies einmal so ausgedrückt: «Das Leben ist wie eine Treppe mit vielen Stufen. Wir leben unser Leben auf jeder Stufe so lange wir wollen. Spüren wir den Drang im Leben weiterzukommen, gibt es nur einen Weg, Du musst die Differenz zur nächsten Stufe überwinden.»
Dieses Drängen des Wunsches nach Veränderung und der gleichzeitige Kampf mit dem inneren «Phlegma», mit der Einfachheit des gewohnten «Trottes», reiben sich. Und dies kann dauern…, kann eine Woge von Gefühlen auslösen. Heute hältst Du es nicht mehr aus, Du musst was ändern – morgen geht’s wieder, was soll das Ganze, und überhaupt. Manche sagen dann, Du hast halt eine Lebenskrise...
Für mich sind das Zeichen des vitalen und gesunden Dranges «des Weiterkommens».
Du sagst: «und wenn man Pech hat, muss man halt damit leben». Auch wenn Du z.B. ein guter Berggänger bist, wenn Du das erste Mal einen entsprechenden Berg angehen möchtest, kann es durchaus empfehlenswert sein, einen Bergführer zu nehmen. Ist es sinnvoll das Rad immer wieder von neuem zu erfinden? In dem Sinne ist es nicht «Pech» wenn Du damit leben musst, sondern vielleicht einfach noch ein fehlender Schritt der eigenen, inneren «Veränderung». Klar ein Bergführer ist nicht gratis, auch das kann jemanden davon abhalten. Manche versuchen es dann halt doch lieber alleine. Doch wenn sie es nicht schaffen, sind sie umso frustrierter und… um das eigene Scheitern nicht akzeptieren zu müssen, wird dann das Bestreben da hinauf zu kommen plötzlich hinterfragt oder gar ins lächerliche gezogen.
Weist Du was ich meine? Ich sage dann manchmal einfach dazu: Die, welche am lautesten NEIN rufen, brauchen am dringendsten eine Veränderung. Die Intensität des Neins weist dann auf die Höhe der eigenen inneren Hürde hin, die sie sich aufgebaut haben. Und hier gilt ein ganz wichtiger Grundsatz: Du kannst den Gipfel nur genießen, wenn es Dein inneres Ziel war, hinauf zu kommen. Ansonsten bist Du dann am Ziel und beklagst Dich z.B. über eine Blase am Fuß, anstatt die Aussicht und Deinen Erfolg zu genießen...

