Dafür bin ich zu alt – ich mach mich da nur lächerlich.

Alter? Kannst Du mir Alter definieren in Bezug auf Emotionalität, Lebensfragen, Lebensweg Erlebniseindrücke? Wie wird im Alltag jemand als «alt» taxiert? Geschwindigkeit der Bewegung, Outfit wie Teenager, Gel-Anteil in den Haaren, Hautstraffheit, Hörfähigkeit, Lesebrille, etc.? Es geht hier um keinen Körperfähigkeits- geschweige Körperäusserlichkeits-Contest! Es geht um unsere Lebenseindrücke. Was bewegt Dich, an was kaust Du, wo drückt Dein Schuh, wie möchtest Du Dich fühlen? Glaube mir, diese Themen sind wenn sie zwischen Menschen, die sich gemeinsam darin begegnen und alle daran «arbeiten» wollen, Lebensalter unabhängig. Ganz im Gegenteil. Eine reifere Frau hat in einem Seminar den Wunsch geäußert, über ein Gefühl sprechen zu können, dass ihr im Anschluss an eine Fragestellung «hoch kam». Sie berührte damit insbesondere zwei jüngere Frauen im Seminar, welche durchaus «alters mäßig» ihre Töchter hätten sein können. Sie sprach von ihrer «Ohnmacht» und ihren Schuldgefühlen die sie direkt und indirekt über vierzig Jahre immer wieder heimsuchten aufgrund einer seinerzeitigen Abtreibung. Die Frau stand im mittleren Lebensherbst, die beiden anderen Frauen in Blüte. Trotz der Differenz an gelebtem Lebensweg – trugen die beiden jüngeren Frauen dieselbe «Last» mit sich.

Kannst Du Dir vorstellen, wie erleichternd, wie annehmend, wie verstanden sich die beiden jüngeren Frauen fühlten. Endlich – endlich (!) wurde ausgesprochen was sie nicht einmal zu spüren sie sich wagten. Hast Du immer noch das Gefühl «Alter» sei an einem solchen Seminar ein Thema? Und ähnliche Beispiele waren genau umgekehrt ausgerichtet – Lebensherbst und auch Lebenswinter-Teilnehmer fühlten sich endlich angekommen und verstanden. Sie realisierten, dass sogar «Junge» am Problem xy nagten – ja das war völlig normal – das Thema war schwer, es tat weh, es wollte angenommen, gesehen und verarbeitet werden. Völlig unabhängig wie lange es die betreffende Person schon wohlbehütet, vertuscht  und negiert im Lebens-Reisegepäck mitführte. Deine Befürchtung wandelt sich in Realität in gelebte Akzeptanz – mit sich ehrliche, sich annehmende und wertschätzende Menschen begegnen und unterstützen einander in dieser Phase alleine schon durch die gegenseitige Präsenz. Ein Gefühl in einer Intensität die Du in dieser Form eventuell noch nie erlebt hast. Wahrhafte vitale und kräftigende Lebenseindrücke.



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