Wie lange dauert ein Schmerz, eine Enttäuschung, Verletzung, Trauer?

Wie gut kannst Du mit Veränderungen umgehen? Wie verinnerlicht hast Du das Gesetzt von Werden – Sein und Vergehen? Wie ich schon ausgeführt habe, das Vergehen ist ein Urgesetz des Lebens. Wir Menschen neigen dazu, festhalten zu wollen. Klar, das ist verständlich, wer gibt schon gerne etwas freiwillig auf das ihm gefällt. Der große Philosophe Tom Johanson und einer meiner persönlichen Lehrer, hat dies einmal so auf den Punkt gebracht: «Die größte Angst des Menschen ist zu verlieren was er, hat und nicht zu bekommen was er will».  Konkreter kann man dies kaum ausdrücken. Zu Deiner Frage wie lange so ein Schmerz, eine Enttäuschung, Verletzung, Trauer dauert? Wenn Du abwartest, dass die Zeit heilen soll… dann wartest Du eventuell sehr lange. Kennst Du alte, verbitterte Menschen? Am schönsten sind dann Äußerungen wie – aber es geht ihm doch schon wieder ganz gut. Aber eben nur «ganz gut» und nicht mit Bestimmtheit – es geht ihm gut, er kann das Leben wieder genießen.
Aber folgenden Mythos muss ich hier klar beseitigen. «Sobald Du alles überwunden, verdaut, verarbeitet hast, bist Du nie wieder traurig». Das stimmt so nicht.
Wäre das so, würde dies bedeuten, dass Du Liebe aufgibst, Liebesgefühle, tiefe Gefühle vergisst. Aber dem ist nicht so. Je tiefer Du vermisst, um so logischer ist es, dass wenn Du einmal zurückdenkst, an schöne Momente wo alles noch so war wie Du es damals wolltest – dass Du Traurigkeit spürst. Das ist natürlich und beweist nur, dass Du Gefühle hast, fühlen kannst. Schmerzvoll werden dann solche natürlichen rückwärtsgerichteten Gefühle nur, wenn Du gleichzeitig das Damalige wieder im Jetzt haben möchtest. So was passiert meistens, in Momenten wo es Dir schlecht geht, und Du das Gefühl hast, das wäre damals nicht gewesen, etc. Du vergleichst das Jetzt mit dem Damals. Dieser Vergleich ist selten objektiv und tut auch selten gut – in der Grundform ist er verletzend. Denn Du vergleichst einmalige, einzigartige Menschen miteinander. Aber eben einzig-artig, der Eine kann unmöglich gleich sein wie der Andere. Und darin liegt bereits der Keim der nächsten Enttäuschung, Trauer, wenn man diese Gesetzmäßigkeiten nicht erkennt oder missachtet. Sich erinnern ist schon gut, wenn Du Dir im Klaren bist, dass Du im Hier und Jetzt bist, und wenn die Erinnerung aus der Haltung des Ehrens und Dankens gegenüber dem Gewesenen erfolgt. Dies ist auch gleichzeitig eine Ehrung Deines Tun, Deines Lebeweges und daraus kannst Du selber Kraft schöpfen für Deinen weiteren Weg. Erinnern ist wie auf der Autobahn des Lebens während der Fahrt in den Rückspiegel zu schauen. Du kannst Dir die Folgen selber ausmalen, wenn Du nur in den Rückspiegel blickst.

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