Vergeht Trauer nicht mit der Zeit?
Die Zeit heilt doch alle Wunden.

Die Frage ist nur – wie sieht die Narbe danach aus und welche Beeinträchtigungen verbleiben. Warum macht man heute Krankengymnastik? Früher ging es doch mit der Zeit auch wieder? Auch hier dieselbe Frage – aber wie geht es wieder.
Bei der Trauer ist es nicht anders. Wie ich eingangs erläutert habe, ist der Umgang mit Veränderung auch eine Frage der persönlichen «Fähigkeit». Vielleicht hast Du dies in Deiner Kindheit gelernt und Du bist heute in der Lage, Veränderungen als Lebensbestandteil annehmen zu können. Die Qualität der «Wundheilung» zeigt sich in der Fähigkeit, trotz des Verlustes Deinem weiteren Lebenswege wieder entgegen sehen zu können. Sich des Lebens in Lebenslust und Lebendigkeit zu erfreuen.
Und so betrachtet ist die Aussage «die Zeit heilt doch alle Wunden» falsch. Es ist nicht die Zeit, die «Daseins-Wunden» heilt, sondern unsere Fähigkeit mit Lebensveränderungen, mit Loslassen und Annehmen umgehen zu können. Diese Fähigkeit hat der eine im Blut, andere in der Kindheit oder haben die Möglichkeit, es auf Ihrem Lebenswege zu lernen. Ich betone, «haben die Möglichkeit es zu lernen». Automatisch fliegt Dir dies nicht einfach zu. Wo und wie hast Du Fremdsprachen erlernt? Der Eine mit Lehrern, der andere z.B. durch einen Auslandaufenthalt – auf alle Fälle warst Du aktiv, hast Du etwas dafür getan. Genau so ist es mit der Fähigkeit schwere Lebenseindrücke zu verarbeiten. Deshalb werden dafür auch Kurse und Weiterbildungen angeboten und dies unabhängig des Lebensalters.

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