Mein Leben ist zwar grau und leer,
aber das ist halt der Lauf der Zeit – das kann man nicht ändern.

In diesen Worten spüre ich viel Traurigkeit und stille Resignation. Was hast Du wohl alles an Lebenseindrücken erlebt, dass Du so müde geworden bist. Ich verstehe Dich sehr gut, weiß wovon Du sprichst. Ich kann Dich nur motivieren und Dir zurufen:
«Egal wie lange Du nun so gegangen bist, es ist nie zu spät die Schuhe zu wechseln». Klar auch dies passiert nicht einfach so – Du benötigst eine mini Portion Initiative den Entschluss zu fassen, Dich zu bücken. Aber nur so erreichst Du Deine alten Schuhe, und dann… Würde ich zuerst einmal Deine Füße liebevoll massieren. Wie lange tragen sie Dich schon, wie viele «auf und ab» haben sie mit Dir schon erlebt. Deine Füße werden Dich dann vielleicht fragen: «Und jetzt? Im alten Trott weiter – das ist so anstrengend und macht einfach keine Freude.» Es gilt nun, die alte Schwere zu erkennen, ihre Wurzeln zu respektieren, denn sie sind ein Teil Deiner Biographie.
Aber egal was war, Du kannst es annehmen. Damit nimmst Du automatisch auch Dich an. Sobald Du mit dem was war – egal wie es war, «Friede» schließen konntest, spürst Du, dass sich Schweres in Dir löst. Ich höre Dich schon sagen: «Friede schließen und so» das tönt ja wie…
Das Wort Friede bedeutet nicht, dass Du im Rückblick über ein in Deiner Vergangenheitauf liegendes, schweres Ereignis jubelst oder gar «künstlich» sagst – ist das gut, ist das passiert... Nein – wir bleiben menschlich, normal und realistisch.
Was schwer war, war damals schwer. Was damals verletzt hat, ist traurig – und wenn Du daran denkst, spürst Du den damaligen Schmerz. All dies ist ganz normal.
Meine Aussage bedeutet, dass Du lernst, im Rückblick einfach anzunehmen, dass es war. Du hast es überlebt, Du bist Deinen Weg weiter gegangen. Klar, wenn es damals..., dann…. und dann… All dies sind Wunschvorstellungen. Vorstellungen, wie Du es Dir gewünscht hättest. In dem Du heute die Kraft findest, offen anzunehmen, dass es damals halt anders kam, Du Deinen Weg dennoch irgendwie weiter gehen konntest, unterstreicht und bestätigst Du Deinen Lebenswillen und Deine Lebenskraft.

Bisher hast Du einfach viel von dieser Kraft eingesetzt um das Gewesene in die Vergangenheit zu «verbannen», Deine Frustration, Enttäuschung, Wut, Trauer im Zaun zu halten. Und das ist wirklich anstrengend – für manche schon fast ein Fulltime Job. Dass da keine Kraft mehr übrig bleibt, man im Leben kaum weiter kommt, wird aus dieser Optik nur verständlich. Auch für Dich? Klar, Du kannst Deinen Weg, Dein Leben wie bisher weiterleben. Ich versuche Dir einfach aufzuzeigen, dass mit anderem «Schuhwerk», die Steine weniger spitzig sind. Und dass wenn Du z.B. Deine Position, Deinen Standpunkt etwas veränderst, Dich die Sonne leichter wärmen kann. Ein herrliches Gefühl. Und sage nun bloß nicht, Du seiest schon zu alt. In einem Seminar habe ich eine 70jährige Frau erlebt, die uns allen mit Freudentränen mitgeteilt hat: «Ich hätte nie gedacht, dass sich Leben so lebendig anfühlen kann – und ich musste so alt werden um das zu erkennen. Herrlich. Und sollte ich auch nur noch ein paar Jahre leben – ab heute er-lebe ich jeden Tag».
Ich bekomme Gänsehaut beim Schreiben, wenn ich an diesen Moment zurückdenken. Das war für mich sehr berührend und beglückend. Und wie alt bist Du?

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