Man soll, das was war auch einmal ruhen lassen.
Ich habe gelernt damit zu leben – es geht ja.
Krisen hat jeder einmal.
Die erste Aussage ist im Grundsatz schon richtig, nur die Formulierung «ruhen lassen» hat so den Beigeschmack von «da wäre noch was – aber das lassen wir jetzt besser, oder das geht jetzt halt nicht mehr» - eben «ich habe gelernt damit zu leben» (dass es eben nicht mehr geht, möglich ist). Daraus spricht, dass der Abschied nicht wirklich erfolgt ist, sondern dass Du darüber «hinweggekommen» bist. Ein spezieller Ausdruck. Man könnte ihn auch übersetzen mit «dass Du es übergangen» hast. Mit diesem Ausdruck wird klarer was ich meine. Es beinhaltet Elemente des Verdrängens. Was verdrängt wird, meldet sich immer wieder zu Wort = Du hast dann halt einmal eine Krise, «Krisen hat jeder einmal» – solange bis Du es mit Dir selber «ausdiskutiert, geklärt, es verarbeitet» hast – dann ist Ruhe, im Sinne von innerem Frieden. Aus dieser Ruhe heraus, kannst Du auch einmal zurückblicken und die guten Momente verdanken und ehren.
Jeder Lebensabschnitt hat Inhalte, für die man einfach dankbar sein darf, denn sie haben Dich weiter gebracht. Jetzt sagst Du mir vielleicht – aber es geht mir ja heute schlechter als damals, soll dies Verbesserung, Fortschritt sein? Wenn Du mit Menschen sprichst, die z.B. aufgrund einer Diagnose ihrem Tod entgegen blicken, und die in der Lage sind, dann ihr Leben, ihr Sein zu reflektieren, hörst Du wichtige Erkenntnisse. Die Gewichtung über was «gut» und was «schlecht» war wandelt sich. Es können Aussagen kommen wie: «damals war es schwierig, wirklich schwierig, aber wir haben dabei gelernt….. ». Verstehst Du was ich Dir damit sagen will. Es steht mir nicht zu, darüber zu befinden, ob es Dir im Moment gut oder schlecht geht, oder wohin Dich die aktuelle Situation führen mag. Es ist einfach Dein momentaner Standort auf Deinem Lebensweg.
Wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe. Wenn das «Alte» in Dir noch präsent ist, kann das Heute sich nicht wirklich breit machen. Wenn jemand z.B. in der Vergangenheit lebt, will er die damalige Zeit, die Zeit generell (wahrscheinlich unmerklich) festhalten. Und das ist extrem ermüdend, entmutigend, frustrierend und lähmend. Dieser Prozess hat Auswirkungen auf alle Deine Lebensfelder: Familie, Beziehung, Freunde, Beruf, Existenz, Finanzen, Deine Lebensqualität. Die Aussage «ruhen lassen» möchte ich deshalb austauschen mit «weiter schleppen». Wie lange willst Du Deinen Weg auf dies Weise weitergehen? Aus dem liebevollen Abschied nehmen und verdankenden Loslassen wächst neue Kraft und daraus Lebendigkeit.

