Ich will mich gar nicht erinnern – vergessen ist viel leichter
– mit der Zeit vergisst man alles.
Den Kopf in den Sand zu stecken ist kurzfristig allenfalls leichter – es ist nur etwas schwierig dabei auf den Weg zu achten... «Vergessen» wirst Du mit der Zeit, warum Du Dich andauernd schwer fühlst, was Deine Lebendigkeit lähmt, was Dich bedrückt. Das kann man «vergessen» nennen, für mich ist dies eher «verdrängen».
Das soll kein Vorwurf sein. In unserer schnell lebigen Zeit, sind viele von uns auf «schnelle Lösungen» konzipiert. Fast food auch bei den Gefühlen. Leider ist das Resultat eine zu beobachtende zunehmende Gefühlsverarmung. Dem können wir aber natürlich herrlich begegnen in virtuellen Cyber communities – durch Medien-berieselungen, die für jede Gefühlsverfassung etwas anbieten, und sonst gibt es ja noch den Videoshop... Zudem ist Gefühlsarmut, Gefühlskälte en vogue, da cool.
Doch beim Verdrängen gilt es eines zu beachten.
Wer den Schmerz, seine schweren Gefühle verdrängt, verdrängt auch automatisch die leichten, beschwingten, lebensfrohen Gefühle.
Dadurch entsteht diese Dumpfheit, dieses sich «schwebend» fühlen. Es ist wie hier sein und doch nicht... eigentlich lebt man nur in den Tag hinein, von einem Tag zum nächsten, etc. Das Leben wird fad, freudlos, farblos. Wenn in diesem Zustand, was über kurz oder lang nicht zu vermeiden ist, eine neue Herausforderung, Enttäuschung, ein neuer (scheinbarer) Rückschlag dazu kommt, wird es unerträglich. Wie weiter? Zu oft wählen z.B. Menschen in dieser Not, in dieser Hoffnungslosigkeit wider besseren Wissens, den finalen Schritt. Diese Tatsache macht traurig. Das Wissen, mit den eigenen Gefühlen, mit Lebensveränderungen umgehen zu können, gehört dringend als Pflichtfach in die Schulen. Kopf-Wissen ist wichtig, doch was nützt es uns, wenn uns dabei das Leben verleidet?

