Ich will ihn/sie überhaupt nicht vergessen, loslassen –
es ist so schrecklich.
Ja, ein solcher Verlust ist schrecklich. Und das Wort schreck-lich beinhaltet es ja schon. Schreck – der erzeugt Angst, Unsicherheit, wir fühlen uns hilflos ausgeliefert, und das verunsichert zusätzlich. Das Akzeptieren des Unmöglichen fällt jedem Menschen schwer, denn es ist schwer. Wichtig, sehr wichtig dabei ist, dass Du Dir auch zugestehst, dass es schrecklich ist, und dies nicht verdrängst. Denn je größer der Schmerz umso größer die Folgen des Verdrängens.
Und nun zum Thema «vergessen / loslassen».
Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Wer von Dir verlangt, dass Du vergessen sollst, der missachtet das Leben. Zudem, wenn Du ein Lebenswegabschnitt von Dir «vergisst», dann vergisst, ja negierst Du eine Phase Deines Lebens, Deiner Biographie. Das wäre, wie wenn man ein Teil von Dir wegnehmen würde, denn: Deine Biographie bist Du. Loslassen bedeutet, dass man annehmen kann, dass ein Tag zu Ende geht – ob man will oder nicht, ob man los lässt oder nicht, ob man es gutheißen kannst oder nicht. Der Tag geht zu Ende...
Es tut mir Leid, das einfach so aufzeigen zu müssen, auf diese Weise auf das kosmologische Urgesetzt von Werden – Sein – Vergehen hinzuweisen. Wenn wir im SEIN sind, und den Moment genießen, möchten wir die Zeit dieses Momentes am liebsten festhalten, den Lauf der Dinge «einfrieren». Doch dies würde Erstarrung mit sich bringen und damit das Leben per se mit der Zeit abwürgen. Verstehst Du wie ich das meine? Vielleicht wendest Du jetzt ein: Ja aber….
Ich kann Deine Reaktion verstehen, sie ist nur menschlich. In unseren Angeboten können wir den Menschen «nur» Wege aufzeigen, um aus einer Erstarrung wieder in die Lebendigkeit, ins Leben zu finden. Wenn Du Dich dann an vergangene Zeiten erinnerst, vielleicht weil Du Musik hörst, die Dich an einen Moment erinnert, ist dies ganz normal, dass Deine Gedanke und damit Deine Gefühle zu diesem Moment zurück fliegen. Du bist in diesem Moment im damals.
Ist dies schrecklich – nein. Denn der Moment damals war ja herrlich. Der Schrecken entsteht erst dann, wenn man versucht das Naturgesetz zu verdrängen und das damalige, das dortige Gefühlt «rüberzuholen» ins Jetzt, ins Heute. In diesem Moment übernimmt Dich die Trauer, der Schmerz. Dieser klaren Trennung von «Drüben» und «Hier» hat man früher im Zusammenhange mit Toten eigene Begriffe und Bilder zugeordnet. Das hat den Menschen geholfen zu akzeptieren, dass es jetzt nicht mehr so ist, damals = damals ist. Heute fehlen uns weitgehend solche traditionellen Handlungen, Riten und Bräuche. Zudem kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. So lange man emotional im Gestern lebt, lebt man nicht im Heute. Das Leben spielt sich aber im Heute ab. Das erklärt auch, warum sich dann das Sein so leblos, trist anfühlt, und man die Lebensfreude, den Lebensmut und oft sogar den Lebenssinn verliert. Die Schönheit und die Möglichkeiten eines neuen Sommers offenbaren sich erst, wenn man mit dem Blick, mit seinen Gefühlen im Hier ist und den Sommer wahrnimmt...

