Ich hatte nur gerade wieder einmal eine Krise – sonst geht das schon.
Ich habe gelernt mit meinem Schmerz, meiner Enttäuschung zu leben.

Na dann kann man ja nur gratulieren, dass Du es zur Meisterschaft gebracht hast im Plattfuss fahren. Gestatte mir eine Frage: War es Dein Lebensziel so durchs Leben zu gehen? Klar, wenn Du einen schweren, eigentlich schon überladenen Rucksack von Schmerz und Enttäuschung mit Dir herumträgst, dann brauchst Du einmal einen Verschnaufer, eine Pause, aber dann geht’s schon wieder. Mir hat einmal ein Taxifahrer während der Fahrt über eine halbe Stunde lang voller Stolz erzählt, was er so alles mit sich «rum trägt». Mir wurde es beim Zuhören beinahe schlecht. Es schien, wie wenn er ob seiner Meisterleistung stolz wäre, denn: Ihn bringe nichts um.
Aber sein Körper sprach Bände (er hatte gerade die 3 Chemobehandlung hinter sich – no problem) und aus seinen tiefen, eingefallenen Augen sprach tiefste Trauer. Als er von seiner schweren Jugend erzählte, stockte zwar manchmal seine Stimme, doch er fing dies dann gleich mit einer lustigen Anekdote auf… Er war ein richtiger Spaßvogel.
Die Kanarienvögel singen ja scheinbar auch am fleißigsten wenn sie traurig und einsam sind... Na ja. Was soll ich dazu sagen.

Muss das so sein? In meinem Leben habe ich diese Frage zwar seinerzeit vielleicht etwas trotzig mit NEIN beantwortet, aber ich ging auf die Suche. Heute kann ich Dir berichten – der Weg macht zwar nicht nur Spaß – aber es lohnt sich. Es gibt wirklich Mittel und Wege, den Rucksack liebevoll und sachte zu entlasten und den Ballast vorsichtig und mit der Achtung die ihm zusteht abzulegen. Klar – wenn Du über Jahre einen so schweren Rucksack geschleppt hast, musst Du Dich an seine Leichtig-keit zuerst gewöhnen. Ein Raucher der aufhört zu rauchen hat Entzugserscheinungen. Und dies obwohl das nicht rauchen für seinen Körper gesünder ist.
Du hast bisher so schwer geschleppt. Dein ganzes Sein ist sich Mühsal gewohnt. Die Anstrengung wurde für Dich zur Normalität, Du hast Dich daran gewöhnt = keine Anstrengung ist Abnorm. Verstehst Du nun, warum Menschen manchmal eine gewiße Überwindung, zusätzliche Motivation benötigen, um neue Wege zu gehen, auch wenn diese offensichtlich einfacher sind? Es ist die Macht der Gewohnheit. Sie hat eine Form von «Sicherheit» in Dir erzeugt. Doch ich kann Dich motivieren: Es ist wunderbar, wie sich ein leichterer Rucksack anfühlt. Und unglaublich anspornend, was dann plötzlich wieder alles möglich ist und einen begeistern kann. Doch während dem Gehen ist es recht schwierig, einen Rucksackinhalt zu ordnen und unnötigen Ballast zur Seite zu legen. Viel einfacher geht dies, wenn man sich mal eine Pause gönnt - und neue Kraft gewinnst Du daduch noch ganz nebenbei.

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