Ich habe Angst ins Gefühl zu kommen – es tut zu sehr weh!
Ich habe Angst, dass es mir nachher schlechter geht als heute.
Angst ist meistens das Gefühl des Unbekannten oder einer schlechten Erinnerung.
Bei den Gefühlen ist es meistens eine Mischung von beidem. Dies macht das ganze noch brisanter. Das natürliche Interesse Neues zu erleben und zu erlernen wird in diesem Falle durch eine innere Stimme ausgebremst: «aber hast Du schon vergessen wie es…». Das wiederum ist eine natürliche Schutzhaltung des Menschen. In dem Sinne kämpfen hier zwei Polaritäten. Hier hört man dann oft die Aussage:«im Zweifel nein».
Sieger dieses «Kampfes» ist natürlich das Stärkere – und dies kann in diesem Falle auch der Schmerz, unser Leiden sein - «dann beißen wir halt in den sauren Apfel». Dieses Zuwarten bis es nicht mehr auszuhalten ist, beschert uns unsagbares Leid. Wie vieles negieren, verdrängen, verletzen und verschlimmern wir, bis wir endlich über unseren eigenen Schatten springen können. Aber eben, wo lernen wir gegenüber Neuem offen zu sein? Dieses Saatkorn kann allenfalls schon vor Generationen in der Familie gesät worden sein. Und Du wunderst Dich, dass Dir dieser Schritt nicht leicht fällt? Dafür schreibst Du in dem Sinne vielleicht sogar «Familien Geschichte» - der, der den emotionalen Knopf löste. In anderen Kulturen leben sich solche Saatkörner z.B. in Blutsfehden aus. Oft kann zwar keiner mehr richtig rekonstruieren, warum wirklich die anderen «Spinne-Feind» sind, aber das war halt schon immer so…
Schlechter gehen als vorher? Im Grundsatz nicht möglich, weil: es kann nicht mehr rauskommen als schon drin war… Ich höre hier schon laute Rufe wie: «Aber es gibt doch Fälle die haben und …. dann…». Ja das ist richtig.
Grundbedingung: Wenn man auf etwas «eingeht», muss es auch wirklich betrachtet, verarbeitet und gewandelt werden. So gewinnst Du neue Lebensfreude und Lebendigkeit. Hier ist die Wurzel begraben.
Wer nur hervorholt nach dem Motto – dann kommen die Gefühle ins fließen = Ziel erreicht, handelt wie ein Chirurg der z.B. einen Blinddarm entfernt, aber anschließend nicht mehr zunäht (Ziel ist ja erreicht, der Blinddarm ist entfernt...) oder zunäht und dafür einen Tupfer drinnen liegen lässt...
Weiter gilt es zu beachten, dass nicht «irgend jemand» am Blinddarm rumschnippelt – er muss schon wissen, was er tut und die entsprechende Kompetenz aufweisen.
Ach ja – und Dein Hinweis, es tue so weh. Bei der Verarbeitung von Gefühlen, von schweren Lebenseindrücken ist es wie mit einem Dorn im Finger – lässt Du ihn drin, tut Dir der Finger permanent weh, wenn Du ihn berührst. Er kann sich so auch entzünden und dann richtig gut weh tun. Nimmst Du den Dorn raus, ist es durchaus möglich, dass es Dich für den Moment schmerz, bis er draußen ist – aber anschließend (eine angemessene «Wundversorgung» vorausgesetzt), kannst Du es Dir gar nicht mehr vorstellen, wie es sich angefühlt hat mit dem Dorn im Finger. Du fragst Dich dann, warum Du so lange zugewartet hast um ihn zu entfernen…
Unter «Wundversorgung» verstehe ich hier in unserem Kontext:
Kompetente Beratung / Begleitung, Stärkung unter Anwendung einer sicheren Arbeitsweise

