Hilft Glaube bei der Trauer?
Das Wort «Hilfe» gehört nicht zu meinen bevorzugten Worten. Es ist meistens zu unklar. Was verstehst Du unter «Hilfe» im Zusammenhange mit Trauer? Es gibt Menschen, die verstehen darunter, dass jemand kommt und Dich ans Ziel, in Sicherheit trägt. Andere verstehen unter «Hilfe» eher Unterstützung, Motivation - «Hilfe zur Selbsthilfe». Wenn das Wort «Hilfe» dann noch kombiniert wird mit «Glaube» - wird es richtig spannend. Was verstehst Du unter dem Wort «Glaube»? Ich verstehe das Wort jetzt einmal unter dem religiösen Kontext und frage Dich: Wie «glaubst» Du? Durch entsprechende Gedanken, Erwartungen, Handlungen, oder z.B. durch Beten? Für mich ist «Glaube» in dem Sinne die Erwartungshaltung, dass etwas Positives passiert. Die Frage ist nun nur, wie es passieren soll. In Form eines Wunders, einer «höheren Fügung», einer Begebenheit, innerer Selbstsicherheit, innerer Schaffenskraft?
Und nun konkret zu Deiner Frage. Aus meiner Erfahrung hilft «Glaube» an eine «Unterstützung» im oder zum eigenen Tun im Hier und Jjetzt. Das «passive» intensive Erwarten, Erbeten des «Samariters» kann zwar kurzfristig die Trauer dämpfen – in der Hoffnung liegt Kraft - doch langfristig weicht sie meistens der stillen Resignation. Zudem wird in dieser Phase aufgrund der intensiven Erwartung eines «Samariters», eine «hilfreiche, verständnisvolle Person» gerne fehl interpretiert. Dies kann zu erneuter Enttäuschung, Verletzung und Trauer führen. In diesem Erwartungs-/Enttäuschungs-prozess wandelt sich dann die Trauer allmählich um, in stille, dumpfe allgegenwärtige oder regelmäßig wiederkehrende Schwere. Du kannst Dich an nichts mehr richtig freuen – das Lachen wird Mangelware, Freudentränen zum Fremdwort. All dies raubt Dir die Leichtigkeit im Sein – das Leben wird schwerer und freudloser – schal. Erkennst Du den Mechanismus? Kennst Du ihn?

